PrimarKI die KI-Sprechstunde
KI-Wissen

Prompts für den Grundschulalltag

Ein guter Auftrag an eine KI besteht aus vier Angaben. Wer sie kennt, schreibt sich jede Vorlage selbst.

Von Anne, Grundschullehrerin und Medienberaterin · Zuletzt geprüft im September 2026

Die Kurzfassung: Sag der KI, wer du bist, was du willst, für wen es ist und was bleiben soll. Diese vier Angaben machen aus einem mittelmäßigen Ergebnis brauchbares Material. Unten stehen zwei vollständige Aufträge aus dem Grundschulalltag zum Kopieren und Anpassen.

Was in jeden Auftrag gehört

Wer du bist. „Du bist erfahrene Grundschullehrkraft“ verändert den Ton des Ergebnisses sofort. Ohne diese Angabe schreibt die KI für ein unbestimmtes Publikum, meist zu abstrakt und zu lang.

Was du willst. Der eigentliche Auftrag, so konkret wie möglich. „Mach das einfacher“ ist keiner. „Erstelle drei Fassungen mit unterschiedlichem Leseniveau“ ist einer.

Für wen es ist. Klassenstufe, Lerngruppe, Anlass. Das ist die Angabe, die am häufigsten fehlt und am meisten ausmacht.

Was bleiben soll. Länge, Form, Tonfall, und was auf keinen Fall verloren gehen darf - das Lernziel, die Fachbegriffe, die Unterschriftszeile.

Mehr braucht es zu Beginn nicht.

Auftrag 1: Ein Text, drei Leseniveaus

Der sichtbarste Zeitgewinn im Grundschulalltag. Nimm einen selbst geschriebenen Sachtext, keine Schulbuchseite - das ist urheberrechtlich sauberer und funktioniert genauso gut.

So tippst du es ein

Du bist erfahrene Grundschullehrkraft. Erstelle aus folgender Aufgabe drei Varianten für Klasse [X]: eine einfache Variante mit Hilfestellungen, eine mittlere und eine fordernde. Behalte das Lernziel bei und kennzeichne die drei Varianten deutlich. Aufgabe: [Aufgabe einfügen]

Was du prüfen musst: Die einfache Fassung wird manchmal zu einfach und verliert das Lernziel. Die fordernde Fassung enthält gelegentlich Wörter, die bei euch noch nicht dran waren. Beides siehst nur du, weil die KI euren Wortschatz nicht kennt.

Funktioniert auch rückwärts

Welche Hilfestellung bräuchte ein Kind, das an dieser Aufgabe scheitert?

Auftrag 2: Der Elternbrief

Der Klassiker, und der mit der größten Zeitersparnis pro Anwendung. Was hineinmuss, weißt du in zwei Minuten; die halbe Stunde geht für die Formulierung drauf, die weder nach Amtsschreiben noch nach Chat-Nachricht klingt. Genau das ist Textarbeit, und Textarbeit kann eine KI.

So tippst du es ein

Schreibe einen freundlichen Elternbrief: [Anlass, Datum, Ort, was mitzubringen ist]. Tonfall: warm, klar, nicht zu förmlich. Maximal 200 Wörter. Am Ende ein Abschnitt zum Abtrennen mit Unterschriftszeile.

Was du prüfen musst: Zahlen und Uhrzeiten. Sprachmodelle ergänzen an Stellen, wo in solchen Briefen üblicherweise eine Zahl steht, gern eine eigene - einen Betrag, eine Uhrzeit, eine Zusage. Bei einem Elternbrief ist das keine Kleinigkeit. Lies jeden Brief einmal vollständig gegen, bevor er das Haus verlässt.

Was du an jedem Ergebnis prüfst

Drei Dinge, immer, unabhängig vom Auftrag. Erstens Fakten: Jahreszahlen, Tiernamen, Erklärungen im Sachunterricht. Sprachmodelle sagen das wahrscheinlichste Wort, nicht das wahre. Als Faustregel: KI für die Form, nicht für die Fakten.

Zweitens Passung: Kennt die Fassung euren Stand? Die KI weiß nicht, welche Buchstaben eingeführt sind, welche Schrift ihr schreibt und welche Aufgabenform die Kinder kennen.

Drittens Ton: Klingt das nach dir? Eltern merken, wenn ein Brief anders klingt als sonst. Ein paar eigene Formulierungen hineinzunehmen dauert zwei Minuten und macht den Unterschied.

Was nicht in den Auftrag gehört

Keine Namen, keine Geburtsdaten, keine Förderpläne, keine Noten einzelner Kinder. Beschreib die Situation statt der Person: nicht „für Lena aus der 3b“, sondern „für ein Kind der dritten Klasse, das beim Lesen längerer Wörter stockt“. Das Ergebnis wird dadurch nicht schlechter, und du bleibst auf der sicheren Seite.

Ausführlich steht das auf der Seite Darf ich Schülernamen in ChatGPT eingeben? - mit den Regelungen der Bundesländer und mehreren Vorher-Nachher-Beispielen.

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Beide Aufträge stammen aus meiner Prompt-Bibliothek und sind bewusst vollständig hier zu lesen. Die vollständige Sammlung gehört zum Kurs „KI an deinem Schreibtisch“, weil es dort nicht ums Kopieren geht, sondern darum, sie auf die eigenen Fächer zu übertragen.

Das Wichtigste in vier Sätzen

Gut zu wissen

Häufige Fragen

Muss ich für gute Prompts Englisch können?

Nein. Die gängigen Sprachmodelle arbeiten auf Deutsch genauso gut, und für Elternbriefe oder Arbeitsblätter ist Deutsch ohnehin die richtige Sprache. Wer Wert auf bestimmte Formulierungen legt, gibt sie einfach als Beispiel mit.

Wie lang darf ein Auftrag sein?

So lang wie nötig. Ein Auftrag über fünf Zeilen mit klaren Angaben liefert bessere Ergebnisse als ein Halbsatz. Was nicht hilft, sind Höflichkeitsfloskeln und Wiederholungen - die kosten nur Zeit beim Tippen.

Warum bekomme ich jedes Mal ein anderes Ergebnis?

Sprachmodelle arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten, deshalb ist die Antwort auf denselben Auftrag nie exakt gleich. Für dich ist das eher praktisch: Wenn eine Fassung nicht passt, lass dieselbe Anfrage noch einmal laufen oder bitte um drei Varianten auf einmal.

Kann ich die KI bitten, im Stil meines letzten Briefs zu schreiben?

Ja, und das ist einer der wirksamsten Kniffe. Füg einen eigenen, anonymisierten Brief als Beispiel ein und schreib dazu: „Schreib den neuen Brief in diesem Ton.“ Achte darauf, dass im Beispiel keine echten Namen stehen.

Welches Werkzeug soll ich benutzen?

Frag zuerst an deiner Schule nach, ob es einen Landeszugang oder eine Lizenz gibt - dort ist die Rechtsgrundlage geklärt. Wenn nicht, funktionieren die Aufträge hier in jedem gängigen Sprachmodell; der Unterschied zwischen den Anbietern ist für diese Aufgaben kleiner, als oft behauptet wird.

Woran merke ich, dass ich einen schlechten Auftrag gegeben habe?

Wenn das Ergebnis allgemein klingt und auf jede Klasse passen würde, fehlt meist die Angabe „für wen“. Wenn es zu lang ist, fehlt die Formangabe. Wenn der Ton nicht stimmt, fehlt die Rolle.

Quellen

Weiterlernen

Vom Kopieren zum eigenen Auftrag.

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